Geschichte

Der Gebsen-Käse ist ein Hartkäse aus der Bergregion Bregenzerwald, der vorwiegend im Frühjahr und Sommer auf den Almen kreiert wird. Das Besondere an diesem Naturprodukt ist die Milchreifung. Sie findet in sog. Holzgebsen  (Gefäßen) statt. Der Käse erhält dadurch seinen einzigartigen individuellen Geschmack.

Die Abendmilch wird in den Holzgebsen gelagert, um am nächsten Tag mit der restlichen Milch verkäst zu werden. Über Nacht kommt es zu einem natürlichen Reifungsprozess, der je nach äußeren Bedingungen vom Senner entsprechend gesteuert wird. Es sind vor allem externe Faktoren wie Wetter, Futter und Tier, die Einfluss auf die Milchreifung und somit auf den ganzen Prozess nehmen. Der Senner muss sich daher sehr intensiv mit diesen beschäftigen, mit der Natur eine Symbiose eingehen, damit der Käse gelingen kann. Dafür braucht er, wie der Bregenzerwälder Dichter Franz Michael Felder konstatiert, „Umsicht, Geduld und die richtige Beurteilung der Naturkräfte“.
  

Laut Sprachwissenschafter soll die Bezeichnung „Gebse“ rätischen Ursprungs sein, sie hat also eine lange Vergangenheit. Im Bregenzerwald gewann die Milchreifung in solchen Holzgefäßen vor allem mit der Hartkäseerzeugung ab dem 18. Jahrhundert an Bedeutung. Seit damals werden die Kenntnisse dieser Art der Käseproduktion von Generation zu Generation weitergegeben. Allerdings seit den wirtschaftlichen und technischen Umbrüchen, die die Talschaft im vorherigen Jahrhundert erfasst und in weiterer Folge zu einer Neudefinition des Bauernstandes geführt haben, ist die Käseproduktion mit Gebsen rückläufig. Dies ist vor allen Dingen auf ein ungünstiges Preis-Leistungs-Verhältnis zurückzuführen, da der Gebsen-Käse sich nicht mit maschineller Produktion verträgt und folglich nicht in großen Mengen hergestellt werden kann. Jedoch orientiert sich der Käsepreis generell an der Masse.

Der Gebsen-Käse ist nicht nur ein hochwertiges Nahrungsmittel, sondern namentlich ein Kulturgut der Alpen. In ihm kommen die Vielfalt der Natur und die Fähigkeiten des Menschen zur Geltung, die Naturereignisse mit Vernunft und Harmonie zu bündeln. Im Zuge der Förderung dieses Kulturgutes haben sich Bauern, Wissenschafter und Förderer zu der Gemeinschaft „Gebsenkäse“ mit dem längerfristigen Ziel zusammen geschlossen, mit Holzgebsen arbeitende Betriebe direkt zu fördern.